Zwei musikalische Welten, ein gemeinsamer Klang

Luciano Biondini und Klaus Falschlunger begeistern bei der Herbstlaub-Reihe mit ungewöhnlichem Zusammenspiel
Vilshofener Anzeiger vom 20.10.2026, Bericht und Fotos: Krenn Thomas

Pleinting. Barfuß sitzt Klaus Falschlunger auf einem niedrigen Podest, die Sitar schräg vor seinem Körper. Mit einzelnen, hellen Tönen eröffnet er „Sweet and Salty“. Die Saiten schwingen lange nach, allmählich werden die  Tonfolgen dichter, der Rhythmus schneller. Daneben sitzt Luciano Biondini, das Akkordeon vor der Brust. Noch hört er zu. Erst nach etwa drei Minuten setzt er ein. Sein weicher, voller Klang legt sich unter das bewegte Spiel der  Sitar.
Das ungewöhnliche Zusammenspiel des italienischen Akkordeonisten und des Tiroler Sitarspielers erleben gut 50 Besucher beim zweiten Konzert der Herbstlaubreihe der Jazz- und Musikfreunde Vilshofen. Schon bei seiner  Begrüßung hatte Vereinsvorsitzender Peter Wallner einen „harmonischen Abend voller Gegensätze“ angekündigt.
Immer wieder spielt Biondini mit geschlossenen Augen. Dann öffnet er sie, schaut zu Falschlunger hinüber. Die beiden lächeln sich zu und spornen sich mit ihrem Spiel gegenseitig an. 

Vieles funktioniert ohne Blickkontakt. Die Musiker kennen das Spiel des anderen so gut, dass sie musikalische Wendungen oft erahnen. Entscheidend sei das gegenseitige Gespür, erklärt Biondini im Gespräch. Vieles entwickle sich intuitiv aus dem gemeinsamen Spiel.
Die beiden Instrumente folgen unterschiedlichen musikalischen Traditionen. Falschlunger bewegt sich mit seinem Saiteninstrument in der indischen Raga-Tradition, wobei auch Einflüsse aus Rock und Jazz anklingen. Bei Biondini lassen sich neben dem Jazz Anklänge italienischer Volksmusik erkennen. Sein Akkordeon ist nach dem westlichen, gleichstufig temperierten System gestimmt. Damit ihr Zusammenspiel funktioniert, müssen sich beide anpassen.  Falschlunger nähert seine Tonhöhen der westlichen Stimmung an, Biondini verwendet weniger Akkorde als gewöhnlich. „Es sind eigentlich zwei verschiedene Welten. Aber es ist trotzdem Musik“, sagt Falschlunger.

Wie das funktioniert, lässt sich beim Titelstück „Once in a Blue Moon“ hören. Die Sitar beginnt mit einer ruhigen Melodie, das Akkordeon antwortet mit tieferen Tönen. Bald entwickelt Biondini einen federnden Rhythmus, während Falschlungers Tonfolgen schneller werden. Die Instrumente greifen ineinander, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Auch als Schlaginstrument setzt Falschlunger seine Sitar ein. Er klopft auf unterschiedliche Stellen des  Korpus und erzeugt damit rhythmische Akzente. Nicht jede musikalische Wendung ist festgelegt. Improvisation bedeute für ihn mehr als ein Solo, erklärt Biondini. Manchmal verändere er die Harmonien, während Falschlunger seine Melodie weiterspiele.
Das Titelstück schrieb Falschlunger für seine Tochter Naomi zum 18. Geburtstag. Ihr zweiter Vorname Chandani bedeutet „Mondlicht“, geboren wurde sie bei Neumond. Daher der Titel „Once in a Blue Moon“, eine englische Redewendung für „alle Jubeljahre einmal“.

Dass der Tiroler einmal Sitar spielen würde, war nicht geplant. Als Falschlunger 1991 mit Freunden nach Indien reiste, wollte er das Land kennenlernen. Während seines Aufenthalts entdeckte er die Sitar für sich. In Neu-Delhi fand  er einen Lehrer. Schon nach wenigen Wochen wusste er, dass er bei diesem Instrument bleiben wollte. Jahre später war es Falschlunger, der Biondini eine gemeinsame musikalische Zusammenarbeit vorschlug.
Nach der Zugabe „A Hippie in a Tipi“ ist der Abend noch nicht für alle zu Ende. Einige Besucher kommen nach vorne, betrachten Falschlungers Sitar aus der Nähe und stellen Fragen. Geduldig erklärt der Musiker die  Besonderheiten seines Instruments. Die Gespräche in der Pause und nach dem Konzert zeigen, wie gut die ungewöhnlichen Klänge angekommen sind. Die Besucher sind begeistert von einem musikalischen Abend abseits des Gewohnten.
Das nächste Konzert der Herbstlaubreihe findet am Samstag, 31. Oktober, um 19 Uhr im Atrium in Vilshofen statt. Zu Gast ist das Tingvall Trio, den Auftakt gestaltet die Jeremias Flickschuster Jazzband.