Zwischen Swing und kleinen Geschichten

Monsieur Pompadour eröffnet die Herbstlaubreihe der Jazz- und Musikfreunde
Vilshofener Anzeiger vom 6. Oktober 2026, Bericht und Fotos: Thomas Krenn

Pleinting. Mit einem ungewöhnlichen Klang beginnt der Abend. Ferenc Krisztián Hegedütok reibt zwei kleine Becken aneinander, ein feines metallisches Klingen zieht für einen Moment durch die Alte Kirche. Dann übernehmen die Gitarren, leicht und federnd, darunter setzt der Kontrabass seinen tiefen Puls. Hegedütok legt die Becken beiseite, greift zum Bogen und lässt auf der Geige die Melodie von „Coucou“ entstehen.
Monsieur Pompadour aus Berlin eröffnet an diesem Abend die Herbstlaubreihe der Jazz- und Musikfreunde Vilshofen. Das Quartett hat seine musikalische Heimat im Jazz Manouche, im Swing Django Reinhardts und Stéphane  Grappellis. Dort bleibt es allerdings nicht: Chansons, eigene Stücke und Lieder aus unterschiedlichen Ländern wandern hinein in den Klang von Monsieur Pompadour.

Und dieser Klang bleibt in Bewegung. Ernestos warme Stimme liegt über dem federnden Rhythmus seiner Gitarre, Antti Virtarantas Kontrabass gibt ihm Tiefe. Florian von Frieling löst sich mit der Sologitarre daraus und setzt  Akzente, Ferenc Krisztián Hegedütok nimmt mit der Geige Melodien auf, führt sie weiter. Mal bleibt die Band nah am Swing, mal holt sie Hildegard Knefs „In dieser Stadt“ oder das französische „Le vent nous portera“ in ihre  Klangwelt.
Zwischen den Stücken hält die Band den Kontakt zum Publikum. Hegedütok erzählt von Ernestos angeblicher Leidenschaft für Radtouren. Im kommenden Jahr, so die Geschichte, solle es der Donauradweg sein. Pleinting liegt  schließlich direkt an der Donau. Und schon biegt der Abend musikalisch ab, hinein in „La bicyclette“, das französische Chanson von Yves Montand.

Später kommt Hegedütok noch einmal auf seine Geschichten zurück. Ob er all das ernst meine, sei gar nicht die entscheidende Frage.
Wichtiger sei doch, „ob es eine unterhaltsame Geschichte ist“. Dann schiebt er nach: „Aber auch die Wahrheit hat ihren Stellenwert.“ Darüber dürfe man beim nächsten Lied nachdenken.
Musikalisch lassen sich die vier ohnehin nicht lange auf eine Rolle festlegen. Mal tritt die Geige hervor, mal die Sologitarre, dann der Gesang. Die anderen geben dafür Raum. Genau dieses Wechselspiel hatten die Musiker abseits  der Bühne beschrieben: Jeder gebe gerne mal den Ton an, dafür müsse man einander aber auch lassen.
Deshalb spielen die vier gerne auf kleinen Bühnen. Dort sehen sie die Gesichter vor sich, nehmen Reaktionen unmittelbar wahr und erreichen mit ihren Geschichten einzelne Menschen. Auf einer großen Bühne müsse man manches  deutlicher spielen, erzählen sie. In der Alten Kirche dürfe es dagegen auch leiser und feiner werden.

Längst müssen Peter Wallner und Wolfgang Müller von den Jazz- und Musikfreunden nicht mehr allein nach Musikern für die Herbstlaubreihe suchen. Inzwischen erreichen sie auch Anfragen von Bands und Künstlern. Auf  Monsieur Pompadour wurde Müller durch zugesandtes Material aufmerksam. Er hörte sich die Aufnahmen an und fand, dass die Berliner gut in die bewusst abwechslungsreich angelegte Reihe passen.
Am Ende werden die Geschichten leiser. Hegedütok spricht von der langen Fahrt aus Berlin, vom Empfang in Pleinting und nennt die Alte Kirche eine „kleine Schatzkiste“, einen „wirklichen Schatz“. Doch ein solcher Ort lebe von  den Menschen, die immer wieder kommen. Der Verein könne sie zusammentrommeln, sagt er, funktionieren könne das aber nur, weil das Publikum tatsächlich komme.