Von Schubert bis Elvis
German Gents feiern umjubeltes Finale des Ohefest 2026 – Wegen des Wetters komplett im Fassboden
PNP vom 07.07.2026 von Diana Milgramm
Niederalteich. Mit einem humorvollen und musikalisch hochklassigen Konzert hat das A-cappella-Quartett „German Gents“ aus Berlin am Sonntagabend das Ohefest 2026 in Niederalteich beschlossen. Eigentlich war ein musikalischer Spaziergang zwischen Fassboden und Basilika geplant: Die erste Konzerthälfte sollte im neuen Konzertsaal des Fassbodens erklingen, die zweite unter freiem Himmel im Innenhof der Basilika. Doch das wechselhafte Wetter machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. So verwandelte sich der gesamte Konzertabend kurzerhand in ein Baustellenkonzert im Fassboden – sehr zur Freude der Besucher, die dort einen außergewöhnlichen und stimmungsvollen Abschluss des musikalischen Wochenendes erlebten.
Bereits der Auftakt sorgte für Gänsehautmomente: Noch bevor die Sänger überhaupt zu sehen waren, erklang hoch oben aus dem Sichtdachstuhl des neuen Konzertsaals das Volkslied „Wach auf meins Herzens Schöne“. Die Begrüßung übernahm Ohefest-Initiator Jonas Müller. „Wenn der Organisator zur Begrüßung auf die Bühne kommt, ist das meist kein gutes Zeichen“, scherzte er. In der Regel bedeute das, dass einer der Musiker krank sei. „Genau das ist heute nicht der Fall“, stellte er unter dem Gelächter des Publikums klar. Lediglich das Wetter sei problematisch gewesen. Da man aber „teure Technik und teure Sänger“ habe, die nicht nass werden dürften, sei er froh, mit dem neuen Konzertsaal im Fassboden eine wunderbare Alternative gefunden zu haben. Dort begrüßte er das preisgekrönte Berliner Vokalquartett, das „einfach ganz bezaubernd“ sei.
Die German Gents – Thoma Jaron-Wutz und Armin Horn (Tenor), Raphael Riebesell (Bariton) sowie Marcel Raschke (Bass) – zählen derzeit zu den erfolgreichsten jungen A-cappella-Ensembles Deutschlands. Das Quartett, das aus ehemaligen Sängern des Staats- und Domchores Berlin hervorging, begeistert nicht nur auf renommierten Konzertbühnen in ganz Europa, sondern auch in den sozialen Medien, wo den Musikern inzwischen mehr als 900 000 Menschen folgen.
Die vier Sänger führten abwechselnd und mit viel Charme durch ihr Programm. Es sei ihnen eine große Freude, den neuen Saal mit einweihen zu dürfen, betonten sie. Die erste Konzerthälfte falle dabei klassischer aus, als man es von der Gruppe sonst gewohnt sei. „Wir haben sogar Franz Schubert eingeladen“, kündigten sie augenzwinkernd an. So erklangen unter anderem Schuberts „Liebe“ und „Der Lindenbaum“. Letzteres sei ursprünglich für 150 Sänger geschrieben worden – „wir sind heute nur zu viert“.
Überhaupt lebte der Abend von den unterhaltsamen Moderationen und kleinen schauspielerischen Einlagen. Die komplizierte und zugleich rührende Beziehung zwischen Käfer und Blume im Lied „Der Käfer und die Blume“ erzählten die Sänger mit viel Witz und Spielfreude, ehe der Käfer am Ende des Stücks mit einem lauten Händeklatschen sein Ende fand. Auch beim nächsten Lied blieb das Publikum bestens unterhalten. Die Geschichte eines Mannes mit einer besonderen Beziehung zu seiner stacheligen Zimmerpflanze führte direkt zum Klassiker „Mein kleiner grüner Kaktus“ der Comedian Harmonists. Die German Gents bezeichneten die legendären Sänger als eine der ersten und lustigsten Boybands und erklärten zugleich, es sei ihre eigene Mission, deutsches Liedgut wieder populärer zu machen.
Passend dazu hatten sie außerhalb des offiziellen Programms eine besondere Überraschung für Niederalteich vorbereitet: die „Loreley“, ein brandneuer Satz der Gruppe. Ebenso eindrucksvoll gelang die musikalische Reise nach Spanien mit der Geschichte um die schöne Isabella von Kastilien, ehe die erste Hälfte mit Edith Piafs berühmtem Chanson „Non, je ne regrette rien“ ihren Abschluss fand.
Nach der Pause änderte sich die musikalische Richtung deutlich. Unter dem Titel „Life Could Be a Dream“ – so heißt auch das große Konzertprogramm der German Gents – widmete sich das Quartett den Klassikern der amerikanischen 1950er-Jahre. Mit Songs wie „Mister Sandman“, „Return to Sender“, „Don’t Be Cruel“ und „Can’t Help Falling in Love“ entführten die Sänger ihr Publikum in die Ära des Rock’n’Roll. Die Musiker bezeichneten sich selbst als große Verfechter der 50er-Jahre. Wer an diese Zeit denke, komme an Elvis Presley nicht vorbei. Tenor Armin Horn, stilecht mit Schmalztolle ausgestattet, erinnerte daran, dass Elvis nicht nur für seine Musik, sondern auch für seine legendären Hüftbewegungen berühmt war. Diese hätten damals dazu geführt, dass die Zuschauerinnen ihre Unterwäsche auf die Bühne warfen. „Jetzt der obligatorische Hinweis: Lassen Sie Ihre Unterwäsche gerne an – auch wenn es warm ist“, scherzten die Sänger und ernteten dafür großen Applaus und Gelächter.
Spätestens nach den Elvis-Hits war die Begeisterung im voll besetzten Fassboden nicht mehr zu überhören. Immer wieder brandete stürmischer Applaus auf, begleitet von Jubelrufen aus dem Publikum.
Für viele Besucher war die Prominenz der Gruppe auf Plattformen wie Instagram und Tiktok die Motivation, das Ensemble kennenzulernen. Die jungen Musiker nahmen sich in Niederalteich aber auch viel Zeit für den Nachwuchs: In einem intensiven Workshop am Sonntagnachmittag fand sich eine klangvolle Singgruppe zusammen, in der es sich auch Schulleiter Johann Lummer nicht nehmen ließ, im Tenor mitzusingen. Gemeinsam mit dem Schulchor des St.-Gotthard-Gymnasiums Niederalteich studierten die Berliner das „Abendlied“ von Josef Rheinberger sowie „What a Wonderful World“ ein. Die jungen Sängerinnen und Sänger betraten zum Finale gemeinsam mit den German Gents die Bühne und sorgten mit ihrem Auftritt für einen bewegenden Abschluss des Ohefestes.
Diese intensive Begegnung der Profis mit den Schülerinnen und Schülern ist eines der Anliegen, das Intendant Jonas Müller mit dem Festival verfolgt. Das Publikum dankte allen Beteiligten mit langanhaltendem Applaus und der spürbaren Vorfreude auf eine Wiederholung des Wochenendes.