Eröffnungskonzert

Zwei Berichte: Erst PNP vom 07.07.2026 Diana Milgramm, dann Bernhard Falk, Bilder von Jakob Schad

PNP vom 07.07.2026

Die Idee einer „wunderbaren Welt“
Ohefest begeistert mit außergewöhnlichem Eröffnungskonzert

Niederalteich. Mit einem musikalischen Spannungsbogen zwischen romantischer Kammermusik und modernem Jazz ist das Ohefest Niederalteich am Freitagabend in seine dritte Ausgabe gestartet. Unter dem Motto „What a wonderful world“ lud Intendant Jonas Müller zum Eröffnungskonzert in die Aula ein und setzte damit gleich zu Beginn ein eindrucksvolles Zeichen für die programmatische Vielfalt des Festivals.
In seiner Begrüßung griff Müller den berühmten Song von Louis Armstrong auf, der dem diesjährigen Ohefest sein Motto gibt. Gerade in Zeiten globaler Krisen und gesellschaftlicher Herausforderungen dürfe der Blick auf die Schönheit der Welt nicht verloren gehen, betonte er. Das „Wonderful“ stehe dabei nicht für ein unbeschwertes Versinken im Schönen, sondern umfasse ebenso Widersprüche, Spannungen und die Frage danach, was es zu bewahren gelte.
Wie musikalisch facettenreich sich diese Idee umsetzen lässt, zeigte das Eröffnungskonzert unter dem Titel „Trio times two“. In zwei völlig unterschiedlichen Triobesetzungen erlebte das Publikum einen Abend voller Kontraste, den seine künstlerische Qualität und Ausdruckskraft dennoch verbanden.

Bericht von Bernhard Falk:

What a wonderful world! Eröffnungskonzert des Ohefests Niederalteich
Luis Amstrong singt in seinem Klassiker „What a wonderful world“ von den grünen Bäumen, von den roten Rosen, und das Wundervolle daran ist, dass sie für „me and you“ blühen. Jonas Müller, der Intendant des Ohefests in Niederalteich, stellte seine dritte Festivalrunde unter das Motto von Amstrongs Lied. In seiner Begrüßung in der Aula legte Müller seine Gedanken dazu dar. Angesichts gegenwärtiger Katastrophen darf der Blick auf die Schönheit der Welt nicht vergessen werden, um zu sehen, wie erhaltenswert sie ist und was auf dem Spiel steht.
In dem Kontext ist das „Wonderful“ kein seliges Versinken im Schönen, sondern steht für eine große Bandbreite von Harmonie und Kontroverse. Diese Idee setzte das Programm des Eröffnungskonzert musikalisch um. „Trio times two“ – Trio mal zwei – war es überschrieben und führte in zwei Triobesetzungen maximale stilistische Unterschiede vor. Antonín Dvořáks Dumky-Trio erklang im ersten Teil, das man als Variation über Traurigkeit und Tanz bezeichnen kann. Danach vibrierte die Luft in der Aula mit Modern Jazz. Beide Teile wurden festivalwürdig vom Publikum gefeiert. Gemeinsam war den Trios, dass Spezialisten in musikalischer Eloquenz, Eleganz und Virtuosität am Werk waren. 

Den ersten Konzertteil gestalteten Violinist Louis Vandory, der Cellist Jeremias Fliedl und der Pianist Gerold Huber mit Antonín Dvořáks berühmtem „Dumky-Trio“. Mit großer musikalischer Intensität und feiner Ausdruckskraft loteten die drei Musiker die emotionalen Tiefen des Werkes aus. Melancholische Passagen, bohrende Motive und dunkle Klangräume wechselten sich mit tänzerischen, von böhmischer Volksmusik inspirierten Abschnitten ab. Die literarischen Bezüge der „Dumky“ zu melancholischen Balladen wurden dabei ebenso spürbar wie die ständige Suche nach Antworten auf existenzielle Fragen.
Nach der Pause schlug das zweite Trio einen völlig anderen Ton an. Sebastian Baumgartner am Schlagzeug, Miloš Čolović am Bass und Urs Hager am Klavier entführten das Publikum in die pulsierende Welt des Modern Jazz.  Rhythmische Energie, improvisatorische Freiheit und klangliche Experimentierfreude bestimmten diesen Konzertteil. Zwischen mitreißenden Passagen und nachdenklichen, beinahe versunkenen Momenten eröffneten die Musiker  immer wieder Räume für virtuose Improvisationen und musikalische Überraschungen.
Das Publikum nahm beide Konzertteile begeistert auf und feierte sie mit langanhaltendem Applaus. Trotz aller stilistischen Unterschiede verband die beiden Trios die außergewöhnliche musikalische Eloquenz, Eleganz und  Virtuosität ihrer Interpreten.
In ihren Grußworten würdigten Landrat Bernd Sibler, Schulleiter Johann Lummer sowie der Vorsitzende des Jazzvereins Vilshofen, Peter Wallner, den Mut und die Leidenschaft, die hinter einem Festival wie dem Ohefest stehen.  Mit dem Eröffnungskonzert habe Jonas Müller eindrucksvoll bewiesen, dass gerade das Zusammenführen scheinbar weit auseinanderliegender musikalischer Welten neue Perspektiven eröffnen könne.
Dem Ohefest ist damit ein eindrucksvoller Auftakt gelungen – ein Abend, der die Idee einer „wunderbaren Welt“ nicht verklärt, sondern in ihrer ganzen Vielfalt, Widersprüchlichkeit und Schönheit hörbar machte.

Bei Dvořák führten Louis Vandory an der Geige, Jeremias Fliedl am Cello und der Grandseigneur der Klavierbegleitung, Gerold Huber, die manchmal bodenlose Verlorenheit seines Trios in enormer musikalischer Beredtheit vor. Bohrende Motivfragmente und dunkle Klangräume wechseln sich darin ab mit unvermittelt hereintanzenden böhmischen Volkstücken. Dass „Dumky“ sich literarisch auf melancholische Balladen bezieht, wird in allen Sätzen deutlich im Nichtfinden von Antworten, in insistierenden Klangfragen.
Der Sound des Trios mit Sebastian Baumgartner am Schlagzeug, Miloš Čolović am Bass und Urs Hager am Klavier pulsierte das Publikum dann in die rhythmisch elektrisierende Klangwelt der Jazzimprovisation. Dvořáks Fragen tauchten hier in anderem Gewand auf: irritierende Ekstase und Klangrausch ebenso wie versunkene, nachdenkliche Melodien. Zwischen den Hauptmotiven gab es Raum für die hoch entwickelte Improvisationskunst der Spieler.
In ihren Begrüßungsreden waren sich Landrat Bernd Sibler, Schulleiter Johann Lummer und der Vorsitzende des Jazzvereins Vilshofen Peter Wallner einig: Ein Festival wie das Ohefest aufzuziehen bedarf einer dicken Portion Mut. Mit dem Eröffnungskonzert hat Jonas Müller genau das belegt, dass er Mut hat, zusammenzudenken, was weit auseinanderliegt. Verbunden ist im Ohefest 2026 das Entfernte durch die Idee der „Wonderful world“, durch die gemeinsame Sorge und die Begeisterung für sie. Am Freitagabend ist damit ein großer Wurf gelungen. Stärker kann man Musik nicht auf die Bühne und in die Ohren bringen.