Berichte der PNP vom 06.07.2026

Rechts Bericht aus dem Feullieton, links Bericht aus dem Lokalteil, Beide Berichte von Josefine Eichwald, Bilder von Jakob Schad

Standing Ovations im neuen Konzertsaal

Der Fassboden Niederalteich erlebt eine gelungen Premiere beim Ohefest mit Luise Kinseher

Beim Ohefest, dem Klassik-Festival des Baritons Jonas Müller, konnte das Publikum am Samstagabend zum ersten Mal den Fassboden als neuen Konzertsaal in Niederalteich im Landkreis Degendorf erleben. Der Pre-Opening- Abend, ein Baustellenkonzert, dürfte die Vorfreude auf den neuen, 400 Leute fassenden Saal weiter geschürt haben. Mit der Fertigstellung des fast elf Millionen teuren Projekts, das die Städtebauförderung maßgeblich unterstützt,  wird Ende des Jahres gerechnet. „Phänomenal“ fanden die Konzertbesucher den rudimentären Charme des Ziegelmauerwerks in dem „Speicher“ (Fassboden), wo früher Bierfässer gelagert wurden und sich gleich nebenan die  byzantinische Kapelle befindet. „Beeindruckend“ wirkt das, nur soweit erforderlich ersetzte, 400 Jahre alte Holzgebälk samt dem fast 30 Meter hohen Dachstuhl. Bis auf einige Beleuchtungsdetails und die Bestuhlung ist der Kultursaal fertiggestellt. Am Drumherum wie der Künstlergarderobe, den sanitären Einrichtungen und vielen anderem hakt es noch, auch der Balkon, den man vom Saal aus betreten kann, ist noch Baustelle.

Der Fassboden: Ein Saal mit Potenzial
Eindrücke vom Pre-Opening_Konzert – 380 Besucher

Niederalteich. Ein symbolisches Geschenk brachte Landrat Bernd Sibler zum Pre-Opening des Fassbodens, das im Rahmen des Ohefestes am Samstag stattfand, mit: Er überreichte an Niederalteichs Bürgermeister Julien Pursch einen Miniaturflügel. Das Original des großen Konzertflügels ist derzeit bei Piano Mora in Passau eingelagert und kommt dann, nach Ende der Bauarbeiten, also zirka Ende 2026, in den Fassboden.
„Der Landkreis hat geerbt“, erklärte Sibler zu Beginn des Baustellenkonzerts. Neben der Stadt Plattling, der sie einen kleinen Flügel zugedacht hat, hat die Ende Oktober 2024 verstorbene Plattlinger Pianistin Hildegard  Schwammberger ihren großen Flügel dem Landkreis vermacht. Doch wohin mit dem Erbstück, das in den Sitzungssaal im Landratsamt nicht passt, und „ja auch gespielt werden soll“, fügte Sibler an.
„Wow“, entfuhr es dem Landrat, „der Saal ist gut geworden“. Sibler war mit Gattin Michaela, dem Bau- und Verkehrsminister Christian Bernreiter und dessen Frau Ann-Kathrin sowie Pursch-Vorgänger Albin Dietrich und vielen anderen – insgesamt 380 Zuhörern – gekommen: Auch wenn erst „sechs Achtel fertig gestellt sind, man sieht schon, welches Potenzial in dem Saal steckt“ bzw. im Ambiente des Klostertraktes (lesen Sie dazu auch den Bericht im  Feuilleton).

Die Akustik war durchwegs brillant: Das bewies das Orchester bei Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“, mit Rimsky-Korsakows „Hummelflug“, auch bei Ernst Fischers Fledermaus-Tocccata. Der gute Raumklang war ebenso zu  erleben bei den facettenreichen, rasanten Marimbaphon-Soli und vor allem beim Gesang von Jonas Müller – egal, ob er die 1920 Jahre schwungvoll mit Walter Jaumanns Schlager „Mein Gorilla hat ne Villa im Zoo“ aufleben ließ  oder oder den „Karpfen“ von Francis Paulenc stilgerecht gedehnt-langsam wiedergab. Auch die Interpretation des Trommelns von „Der Specht“ vom kubanischen Komponisten Aldo Lopez Gavilan wird dafür sorgen, dass  Kulturfreunde den Fassboden im Auge behalten.
Die Standing Ovations galten Bariton Jonas Müller, dem Orchester der Kammeroper München und nach der Pause vor allem Luise Kinseher: Mit kabarettistischen Betrachtungen eines Besuchs mit ihrem als Jäger mit Trachtenhut verkleideten Dackel Gustl beim tierischen Maskenball landete sie zahlreiche Pointen. Etwa, als sie zwei Schwarze Sheriffs unter den kostümierten Tieren ausmachte, hinter deren Maske sie zum einen Innenminister Joachim  Hermann identifizierte während der andere wie „der Bernreiter aussieht“, blickte sie auf den Bau-und Verkehrsminister in der ersten Reihe. 
In wunderbar bildhaft beschriebenen Episoden wie z.B. die, als 17 Schildkröten in gestreiften Jogginganzügen die Manege betreten, oder vom Frettchen mit Hubert-Aiwanger Perücke, das dem Löwen (Markus Söder) auf der Nase  herumtanzt, sorgte sie für zahlreiche Lacher…

Bariton Jonas Müller und das Orchester der Kammeroper München mit Programmpunkten zu Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ loteten die allseits, auch von Pianistin Uta Hielscher als Gast, gelobte Akustik im Fassboden  aus. Mit Erläuterungen aus Brehms Tierleben versah Luise Kinseher Beiträge wie Franz Schuberts „Die Taubenpost“ oder den „Grizzlybär“ mit Musik von Georges Botsford. Im zweiten Teil trug die Geiselhöringerin, deren 90- jährige Mutter Elfriede sich das Baustellen-Event nicht entgehen ließ, eigene, ebenso pfiffige wie schelmische Episoden vor: Die handeln von maskierten „großen Tieren“ aus der Politik und anderen Prominenten, wie Dieter Bohlen, den sie als „Filzlaus“ skizziert oder eine Bettwanze auftreten lässt – „mit Lothar Matthäus-Gebiss“. Mit fantasiereichen Details ausgeschmückt, entsprechender Gestik, in lautmalerisch differenzierter Lesart Eindrücke vom Pre-Opening-Konzert – 380 Besucher und mit bairischem Idiom, wenn ihr Dackel Gustl „spricht“, berichtete sie den Zuhörern vom Besuch eines tierischen Maskenballs. Die Zusammenarbeit für das Projekt mit Müller und dem Orchester ist in der Coronazeit entstanden, so Kinseher. Und am Samstag kam es auf die „erste Dauerbaustelle, die bespielbar ist“. Für die Niederalteicher „Premiere“ hatte die Kabarettistin einige Extras eingebaut: Sibler schilderte sie als Wiesel, Pursch – „i bin bei der CSU“ – war der kräftige Kater mit dem etwas zu großen Sakko und der Vorsitzende des Kultur.Boden-Vereins, Franz Dullinger, kam als „Turmfalke“ vor.
Eigentlich habe er gehofft, dass man beim Pre-Opening-Konzert, für das er das finale Go im Februar erhalten habe, schon weiter mit den Bauarbeiten fortgeschritten sei, sagte Jonas Müller, künstlerischer Leiter des Ohe-Festivals, am Rande, dankte aber zugleich dem Architekten Werner Pauli. Eine Hängepartie war es für die Veranstalter, was die sanitären Anlagen anging: Müller: „Die Toilettentüren wurden erst am Vortag eingebaut.“
„Ein super Saal mit Charakter“, kommentierte der Deggendorfer Alois Trifterer auf DZ-Nachfrage in der Pause: Er warte nur, dass der Biergarten unten endlich fertig wird. Aus Arnbruck war Regina Hofmann gekommen, Waltraud und Max Feldmeier freuen sich, dass es für sie aus Zueding „nur ein Katzensprung“ ist, Managerin Stefanie Vornehm aus Offenberg wollte den Saal sehen, für den Leader die Bestuhlung fördert (am Baustellenabend waren es
Stühle aus dem Gymnasium) und Landkreis-Volksmusikpflegerin Elisabeth Hoffmann war wegen Jonas Müller gekommen, dessen Entwicklung sie interessierte seit er Kulturpreisträger war. Niederalteicher Besucher wie Hubert  Ammer hoffen, dass die Veranstaltung dazu beiträgt, dass sich die gegensätzlichen Ansichten im Ort zum Fassboden aufweichen; schließlich, so ist zu hören, gebe es den Fassboden ohne die Bürgerinitiative bzw. dem Kultur.Boden um Franz Dullinger nicht. Derweil freut sich Rathauschef Pursch auch künftig auf möglichst viele Besucher.