Liedkonzert „Die Welt aus Deiner Sicht“

Zwei Berichte: Links: PNP vom 13.07.2026, Diana Milgramm und rechts: Bernhard Falk, Bilder: Felicia Bulenda

Romantische Musik mit jugendlichen Perspektiven
„What a wonderful world“ beim Ohefest

Niederalteich. Unter dem Motto „What a wonderful world“ hat sich das Ohefest auch den Themen Heimat, Aufbruch, Fremde und Rückkehr gewidmet. Im Mittelpunkt eines Liederkonzerts am Sonntagnachmittag standen diese Erfahrungen von Vertrautheit, Entfremdung und Sehnsucht. Der Bariton Jakob Schad und der Pianist Diego Mallén präsentierten dazu einen eigens zusammengestellten Liederkreis mit romantischen Kunstliedern.
Jakob Schad überzeugte mit einer ausgewogenen Interpretation, die emotionale Tiefe vermittelte, ohne ins Pathetische abzudriften. Seine klangvolle Stimme reichte von kraftvollen dramatischen Passagen bis zu fein nuancierten, lyrischen Momenten. 

Die Welt aus deiner Sicht – Liederkonzert im Ohefest

Das diesjährige Ohefest stand unter dem Motto „What a wonderful world.“ Da passte ein Konzert gut, das sich dem persönlichen Blick auf die Welt widmete und darin besonders dem Spannungsfeld Heimat, Aufbruch, Fremde und Rückkehr. In diesen Bezügen ist die Welt mit den Gefühlen der Vertrautheit, der Entfremdung und vor allem der Sehnsucht verbunden. Speziell im romantischen Kunstlied schlägt sich dieses Gefühlsspektrum nieder. Am Sonntagnachmittag stellten der Bariton Jakob Schad und der Pianist Diego Mallén einen selbst zusammengestellten Liederkreis vor, der die Sehnsuchtsdynamik im Weltverhältnis behandelte.

Am Klavier begleitete Diego Mallén sensibel und ausdrucksstark. Gemeinsam zeichneten sie die unterschiedlichen Stimmungen der Lieder eindrucksvoll nach.
Ein besonderes Anliegen des Ohefests ist es, junge Menschen an klassische Musik heranzuführen. Deshalb entstand gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der 9. und 10. Klassen des St.-Gotthard-Gymnasiums ein  Einführungsspaziergang zum Konzert. Unter Anleitung von Katharina Naimer und Bernhard Falk setzten sich die Jugendlichen kreativ mit den Themen des Liederprogramms auseinander. Sie gestalteten Kunstobjekte und interpretierten Gedichte aus dem Programm als flüsternden, schreienden und rappenden Sprechchor.
Durch diese eigenen Zugänge erhielten die romantischen Texte eine aktuelle und persönliche Bedeutung. Die anschließende Aufführung mit Jakob Schad und Diego Mallén knüpfte an diese Auseinandersetzung an
und verband die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler mit der musikalischen Interpretation der Kunstlieder.

Nun ist das Kunstlied eine durchaus pathetische Angelegenheit. Da geht es viel um Sehnen, um Herz und um Schmerz in raffinierten Sprachbildern der romantischen Dichter. Jakob Schads Interpretationskonzept setzt dabei jede Gefahr von Overacting und Überemotionalisierung von vorn herein außer Kraft. Er balanciert den Einsatz seiner sängerischen Ausdrucksmittel genau aus zwischen nötiger Objektivität und möglicher Emotionalität. Erstaunlicherweise entsteht durch diese klassische Haltung eine Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit in der Darstellung, die weder schwülstig, noch übertrieben erscheint. Dabei stehen dem jungen Sänger alle Register seiner wohlklingenden Stimme zur Verfügung. Er trumpft stimmlich auf, wenn es die Dramaturgie erfordert und sinkt lyrisch zurück im elegischen Ton der versonnenen Lieder. Mit Diego Mallén als hochsensiblen und klangschön spielenden Begleiter lotet er eine Farbigkeit aus, die alle emotionalen Levels der Empfindungen vom Weggehen bis zum Zurückkommen erfahrbar macht.
Ein Schwerpunkt des Ohefests ist es nun, Jugendliche in die Konzerte zu holen und dabei kreative Annäherungen an die vermeintlich nicht jugendkompatible Musik zu ermöglichen. Der hohe Ton der romantischen Gedichte ist von der Jugendsprache weit entfernt, was die Verständlichkeit oft erschwert.
Jonas Müller, der Intendant des Ohefests, hat deshalb angeregt, mit Schulklassen des St.-Gotthard-Gymnasiums einen Einführungsspaziergang zum Liedkonzert zu gestalten. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich darin frei assoziierend mit der Thematik auseinandersetzen. Unter der Anweisung von Katharina Naimer und Bernhard Falk erstellten Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen Kunstobjekte, die im Rahmen des Spaziergangs präsentiert wurden. Zudem performten sie Gedichte des Liederprogramms als flüsternder, schreiender und rapender Sprechchor. Durch die eigenen Bearbeitungen erschienen die Kunstlieder in der Aufführung nicht mehr aus einer anderen Zeit, sondern als aktuelle, persönlich relevante Botschaften. Wenn es das Anliegen des Ohefests ist, aufzuzeigen, dass die alte Kunst noch etwas zu sagen hat, dann ist die Herangehensweise, die Inhalte in die eigene Erfahrungswelt hereinzunehmen, ein wirkungsstarker Weg der Annäherung. Mut haben hier vor allem die Schülerinnen und Schüler bewiesen, ihre Ansichten in Objekten und im Rezitieren offenzulegen und für das Publikum einsehbar zu machen. Die Präsentation in der Liedhochkultur mit Jakob Schad und Diego Mallén erschien dann wie eine Fortsetzung ihres eigenen Ausdrucks. Eine geglückte und beglückende Synthese.